Erotische Sehnsüchte und Träumereien beschäftigen seit alters her den menschlichen Geist. Sie sind stärker als die Moralvorstellungen einzelner Epochen und widersetzen sich den Tugendwächtern und Bedenkenträgern, die die guten Sitten in Gefahr sehen. Die Kunst huldigt der Erotik in der Poesie, Literatur, Malerei, Fotografie und in Filmen. Historisch betrachtet, gab es Zeitalter, in denen die Erotik unterdrückt werden sollte, während in anderen Epochen wie z. B. dem Rokoko (1710-1730) zu Zeiten der Frühaufklärung mit all ihren Facetten spielerisch und öffentlich umgegangen wurde. Bereits die griechischen Philosophen der Antike betonten die Einheit von Körper, Geist und Seele. Auch heute halten viele Menschen das Ideal von der Harmonie zwischen romantischer, geistiger und körperlicher Liebe hoch. Gemeint ist damit eine ausgewogene Verbindung zwischen Liebe, Erotik und Sexualität.
Daraus erklärt sich, dass die Erotik nicht vulgär ist, sondern mit der Anspielung und vor allem mit der Fantasie arbeitet. In erotischen Gedichten wird dies besonders deutlich. Jeder kann sich daran versuchen, es gibt unzählige Vorbilder in der Literatur aller Kulturvölker. Viele bekannte Schriftsteller und Poeten haben in den vergangenen Jahrhunderten bis heute erotische Gedichte verfasst, gereimt und ungereimt, in kunstvollen Versen oder auch volkstümlich und humoristisch. Wer sich dafür interessiert, kann in Antiquariaten stöbern, seine eigenen Gedichtbände zu Hause mal wieder zur Hand nehmen oder sich im Internet kundig machen. Dort sind unzählige Beispiele für gelungene und auch das eine oder andere verunglückte Gedicht mit erotischem Inhalt zu finden.
Wenn man also ausprobiert, ob es einem gelingt, erotische Gefühle und Gedanken in Gedichtform auszudrücken, sollte man sich an bestimmte Regeln halten. Sonst fällt das Ergebnis eher platt und im schlimmsten Falle pornografisch aus. Hat man beim Dichten z. B. eine bestimmte Person vor Augen und möchte diese auch mit seinem Werk beglücken, sollte man sich wie bei einem Flirt verhalten. Andeutungen sind erlaubt, auch frivole Zweideutigkeiten sowie die Absicht, die man mit diesem Gedicht verfolgt. Bei der Wortwahl aber entscheiden die Eleganz und das Feingefühl, ob ein geschliffenes erotisches Gedicht entsteht. Es soll den Empfänger oder die Empfängerin anregen und elektrisieren, aber nicht erschrecken oder gar abstoßen. Eine gewisse Irritation darf man ruhig erzeugen, Erwartungen und Hoffnungen wecken. Erotik spielt sich auf geistiger Ebene ab, das macht ihren Charme aus.
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